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Mathias Günther

Helmut Holter: „Gute Bildungszukunft verlangt Schulterschluss der Beteiligten“

Helmut Holter
Bildungsminister Helmut Holter stellte in Schleusingen seine Idee von der Schule der Zukunft vor.

Die Zukunft der Thüringer Bildung war das Thema einer kürzlich von der LINKEN organisierten Veranstaltung in Schleusingen. Als Gast referierte Helmut Holter, der seit August 2017 das Bildungsministerium leitet. In diesen 2 Jahren ist viel passiert. Mit dem 2. beitragsfreien Kitajahr werden Eltern dann um rund 3000 Euro entlastet. Im Rahmen des „Gute Kitagesetzes“ kann Thüringen nun eine noch umfangreichere Förderung der Kinderbetreuung realisieren. Ein Schwerpunkt: die frühkindliche Bildung in sozial benachteiligten Bereichen, um allen Kindern gleichermaßen Entwicklungschancen einzuräumen. Allein in den letzten 10 Wochen hat das Ministerium auf der Basis des im Juni verabschiedeten Schulgesetzes ein Besoldungsgesetz verabschiedet, die Einstellungsrichtlinie für Lehrer novelliert, eine Lehrergewinnungskampagne gestartet, per Ministererlass die Vergütung von Mehrarbeit geregelt. Bewerbungsverfahren für Lehrer sind jetzt digital untersetzt und ein Sportfördergesetz ist in Arbeit. Bis 2020 soll die „Allianz für gute Lehrerbildung“ stehen. Unter anderem kann dann der Eintritt in den Vorbereitungsdienst für Lehrer früher erfolgen als bisher.

Dass dies und viele weitere Anstrengungen nötig sind, verschwieg der souverän auftretende Minister nicht. Denn obwohl die jetzige Landesregierung in den letzten beiden Jahren deutlich mehr Neueinstellungen vornahm als die Vorgängerregierung und eine just veröffentlichte Erhebung des „Spiegel“ ergab, dass Thüringen die meisten zufriedenen Schüler verzeichnet (9 von 10), bleibt Unterrichtsausfall weiterhin ein Thema. 70% der Thüringer Lehrer seien älter als 50 Jahre, was sich auf den Krankenstand auswirke. 1200 Lehrer wären 2018 in den Ruhestand gegangen, mehr als ursprünglich erwartet. Hinzu käme, dass viele der neu einzustellenden Lehrer lieber in größere Städte entlang der A4 wollten, als in den ländlichen Raum.

Das habe Auswirkungen, auch und gerade in Südthüringen. Denn während aus dem Beruf scheidende Lehrer in Weimar, Jena und Erfurt zu 100 Prozent ersetzt werden könnten, wären es im Bereich des Schulamtes Suhl bisher nur 35 %. Andererseits seien dort auch die Klassenstärken deutlich größer, während in den 28 staatlichen Schulen des Landkreises Hildburghausen die durchschnittliche Klassenstärke zwischen 19 und 20 Schülern läge. Nach wie vor konzentriere sich der Lehrermangel auf spezielle Fächer, weshalb der Freistaat zur Abhilfe jetzt auch die Kosten für ein mögliches drittes Studienfach bei Lehramtsstudenten übernimmt.

Im Schulbereich stehen ab 2010 im 1,9 Milliarden schweren Landeshaushalt nochmals mehr Gelder zur Verfügung. Neben umfangreichen Sanierungen und Modernisierungen wie z.B. an den Schulstandorten Hildburghausen, Eisfeld, oder, bereits realisiert, Römhild, fließt das Geld auch in die Schulsozialarbeit (2020 10 Millionen) und in bessere Lehrervergütungen. Der Lehrerberuf soll unbedingt attraktiver werden, um den notwendigen Lehrerbesatz decken zu können.

Künftig will Holter aber nicht nur das Problem der Personalsicherstellung abarbeiten, sondern das Schulwesen auch inhaltlich weiter entwickeln. Schule müsse soziokultureller Ort sein, an welchem neben Wissen auch soziale Kompetenz vermittelt wird. Erneut brach er eine Lanze für die Gemeinschaftsschule. Sorgen, dass dadurch Gymnasien wie das in Schleusingen in Gefahr wären, verneinten sowohl Helmut Holter als auch der moderierende Abgeordnete und Kreisrat Tilo Kummer.

Natürlich ereilte den Minister auch eine ganze Reihe Fragen. So nach der Möglichkeit schulscharfer Ausschreibungen oder möglichen „Landzulagen“ für Pädagogen, die freiwillig in den ländlichen  Raum gehen. Anwesende Schulleiterinnen wollten wissen, wie der inzwischen aufgelegte Digitalpakt praktisch umgesetzt werden kann. Nötig wären hier ausgebildete Lehrer und Ressourcen für Wartung und Betreuung der Technik sowie die entsprechende Unterstützung der Schulträger. Sie schilderten auch  ihre Erfahrungen mit der Erreichbarkeit des zuständigen Schulamts und mit der Schulpauschale. Eine Elternvertreterin wollte wissen, welche rechtlichen Einflussmöglichkeiten Eltern besäßen, um das Beschäftigungsverhältnis eines Lehrers beenden zu lassen.

Wie bereits bei seinem Besuch vor fast genau einem Jahr nahm sich Helmut Holter auch diesmal nach dem offiziellen Ende der zweieinhalbstündigen Veranstaltung noch ausreichend Zeit für individuelle Gespräche mit den Gästen.

Spätestens da war klar: Dieser Mann ist 2017 gekommen, um zu bleiben und die Thüringer Bildungslandschaft tatsächlich für die Zukunft zu organisieren.