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Hans-Jürgen Rumm

80. Jahrestag des Massakers in Poppenhausen an polnische Zwangsarbeiter

„Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus“ mit diesen mahnenden Worten begann Bernd Ahnicke seine Gedenkrede zu den Morden an polnischen Zwangsarbeiter im Jahre 1942 im Wald zwischen Einöd und Poppenhausen nahe der Stadt Heldburg im Hildburghäuser Unterland.

Dort wurden im Rahmen einer Vergeltungsmaßnahme auf Befehl des Reichsführers SS neunzehn polnische Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald und der polnische Zwangsarbeiter Jan Sówka durch die SS gehängt. Vorausgegangen waren  Schikanen, Wutausbrüche und tätliche Übergriffe des zuständigen Gendarmen, der die örtlichen Zwangsarbeiter zu überwachen hatte, jene bei ihren Arbeitsorten „besuchte“ und sie dort regelmäßig mit Schlägen malträtierte. Die Zwangsarbeiter Jan Sówka und Nikolaus Stadtnik erstachen nach einem neuerlichen Gewaltexzess ihren Peiniger, nachdem dieser die beiden zusammengeschlagen hatte. Nikolaus Stadtnik konnte entkommen, Jan Sówka wurde auf dem Bahnhof von Bamberg festgenommen. Alle polnischen Zwangsarbeiter der Umgebung mussten bei der Hinrichtung anwesend sein. Außerdem waren Landräte, Kreisleiter, sowie sonstige Vertreter von Partei und Staat vor Ort.

Eine große polnische Delegation, darunter Frau Pokorska, Enkelin eines Opfers, nahmen die weite Reise auf sich, um an dieser Gedenkfeier teilhaben und wie Frau Pokorska, erstmals den Ort der Ermordung ihres Großvaters sehen zu können.

Der polnischen Konsul Marcin Krol bedankte sich in seiner Rede an das beispiellose Eintreten Bernd Ahnickes für die Versöhnung mit den Hinterbliebenen der Opfern und dass viele Angehörige durch ihn Antworten nach dem Schicksal ihrer Ehemänner oder Väter bekommen hätten. Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald Herr Lütgenau las aus Aufzeichnungen Priesters Trebes aus der Umgebung wie dieser,  dieses unfassbare Schauspiel erlebte. „Jubelnde Massen zogen zum Wald und riefen, hängt die Schweine! Es herrschte eine Stimmung wie bei einem Volksfest“, so Auszüge aus dem Bericht des Seelsorgers. Frau Banach, die Delegationsleiterin brachte den rund 50 Gäste der Veranstaltung anhand der Biografie von Stanisław Kaprzyk, einen der Opfer näher. „Es ist unglaublich, was Menschen, Menschen antun können und in welcher Zeit man damals lebte“, waren ihre beeindruckenden Sätze. Frau Urzula Banach, die einen Großteil der Recherchen nach Familienangehörigen erledigt hatte und Herrn Bernd Ahnicke, dem es zu verdanken ist, dass dieses Denkmal entstanden ist, betonten, dass durch die Recherchen eine innige Freundschaft und ein anderer Blick auf Deutschland und die hiesige Bevölkerung entstanden ist – aus ehemaligen Feinden sind Freunde geworden, die gemeinsam für Freiheit und Demokratie kämpfen.

Bernd Ahnicke gab in seinem Schlusswort den anwesenden Gästen mit auf dem Weg, dass man solch eine Greueltat nie vergessen dürfe, man dürfe verzeihen, doch sollte es immer eine Mahnung sein, dass so etwas nie wieder passieren dürfe.