Ausschreibung Frauenpreis 2018
Dem Rechtsruck begegnen
Bedingungsloses Grundeinkommen

DIE LINKE. Presseerklärungen

 

Termine

19. Februar 2018 - 19. August 2018 |

Keine Termine gefunden

 
23. November 2017 MG

Bildungsveranstaltung: Reformationsgedenken über das „Lutherjahr“ hinaus

Über Gott, Luther und die Welt:

 

2017 wird wohl als das „Lutherjahr“ im öffentlichen Gedächtnis bleiben. Superintendent Johannes Haak begründete kürzlich hingegen, warum ihm der Begriff „Reformationsgedenkjahr“ lieber sei. Thomas Stäblein von der Hildburghäuser Linken hatte den Theologen zu den traditionellen „Allerweltsgesprächen“ eingeladen. Natürlich musste es im Gedenkjahr auch hier um Luther gehen. Haak indes schlug tatsächlich den Bogen deutlich weiter, als es manch offiziöser Rummel um die Person des Reformators getan hatte. Gleich eingangs betonte er, dass auch anderen Persönlichkeiten der Reformation, wie Melanchthon oder, in der hiesigen Region, Justus Jonas, eine wichtige Rolle zukam.

Die Zeit Luthers sei mit der Erfindung des Buchdrucks, dem kopernikanischen Weltbild und der Entdeckung Amerikas eine Zeit des Umbruchs gewesen. Luthers widersprüchliches Leben sei sowohl von Kreativität, zum Lebensende hin aber auch von Resignation gekennzeichnet gewesen. Und: „Luther lässt sich nicht ohne die Bibel verstehen“.

Streng erzogen, wandte sich der (sehr) junge Luther der ihm befohlenen Juristerei zu. Erst später wurde er Mönch, studierte weiter, wirkte seinem Wunsch gemäß als Pfarrer. Habe er vor allem in seiner zweiten Lebensphase sehr deutlich damalige gesellschaftliche Missstände angeprangert, sei er doch immer in der grundsätzlichen Frage „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott“ verhaftet geblieben. Den berühmten Wittenberger Anschlag der 95 Thesen nannte Haak zudem „Fakenews“. Vielmehr habe Luther seine für die damalige Zeit geradezu donnernden Gedanken in Briefform geäußert. Das sie dann gedruckt wurden, half bei der raschen Verbreitung. Der Autor erfuhr daraufhin öffentliche Aufmerksamkeit, aber in der Kirche selbst vor allem Ablehnung. Ein neues Sozialwesen wollte er eingeführt sehen: Bildung möge zum Menschen gehören, so Luther. Wohl auch unter dem Eindruck der Ladung vor den vom Papst als Luthers persönlichen „Gang nach Canossa“ gedachten Reichstag zu Worms und dem Verhalten mancher Fürsten will er in der Folge eine Mäßigung der Reformationsbewegung erreichen. Dass die Reise zum Reichstag für den unterwegs oft Predigenden eine Art Triumphzug wurde, belegt wohl die damalige Brisanz seiner Thesen.

Zu Müntzer unterschied ihn nicht nur die Stellung gegenüber den revolutionären Bauern, sondern auch der theologische Ansatz. Der Allstedter Pfarrer erkannte nur die Heilige Schrift als Bezugspunkt an und stellte sich offen auf die Seite der Erhebung. Luther hingegen betrachtete geistliche und irdische Obrigkeit als legitime Herrschaften. Die Bauernhaufen nannte er später Schwärmer und Rottengeister. „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten“ aus seiner Feder habe zur Radikalisierung Müntzers beigetragen, so Haak. Trägt solch harte Eindeutigkeit zu späterer Abkehr der Massen vom einstigen Hoffnungsträger Luther bei? Seinen letzten Gottesdienst soll er jedenfalls fast schon verzweifelt nur noch vor sieben Teilnehmern gehalten haben. Zur Realität von Luthers Leben habe zudem eine „furchtbare Schrift“ über Juden gehört. So furchtbar, das selbst Julius Streicher als ideologischer Einpeitscher der Judenvernichtung in Diensten der Nazis darauf Bezug nehmen konnte. Die evangelische Landessynode habe sich deshalb von diesen Positionen Luthers ausdrücklich distanziert. Haak plädiert dafür, Luther nicht als Objekt eines unkritischen Personenkults zu benutzen, sondern auch die Widersprüchlichkeit und die Grenzen seiner Persönlichkeit und die ihn prägenden Bedingungen der Gesellschaft möglichst breit zu erfassen. Es sei auch im Falle Luthers aus der Geschichte zu lernen, um Zukunft gestalten zu können.

Sein persönliches Credo laute auch aus Kenntnis dieses Teils der Geschichte „Wir müssen die Kraft haben, alles Menschliche zu unterstützen und allem Unmenschlichen zu widerstehen.“

Dies bedinge in der heutigen Gesellschaft Austausch und Diskussion von Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen. Das Gemeinsame dabei auszuloten, führe dabei in die richtige Richtung. Zumindest bei den Teilnehmern des Allerweltsgesprächs stieß er damit auf Zustimmung.